09/08: Junge Leute aus acht Ländern diskutierten in der Slowakei über nationale Minderheiten. Was bedeutet eigentlich Identität?

Einen umfang- und lehrreichen Überblick über die deutschen Minderheiten in Mittel- und Osteuropa gab das Mittel-Ost-Europa-Seminar Identität, das vom 29. Juni bis 3. Juli im slowakischen Kurort Turčianske Teplice stattfand. An dem Seminar nahmen 30 junge Leute aus Rumänien, Ungarn, Polen, Tschechien, der Slowakei, dem Baltikum und der Ukraine teil. Präsentiert wurde das Seminar vom Institut für Auslandsbeziehungen der Bundesrepublik Deutschland (ifa) und von der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien.
Organisatoren des fünftägigen Treffens waren ifa-Kulturassistenten in Polen, Tschechien und Rumänien. Die Idee zu dem Seminar, das bereits das zweite Mal stattfand, war vor zwei Jahren Andreas Collin und Stefanie Fischer gekommen. Die beiden sind Kulturassistenten des ifa in Polen. Sie wollten ein Treffen von jungen Angehörigen der deutschen Minderheiten und anderen jungen Leuten aus Mittel- und Osteuropa, die sich für das Thema “nationale Minderheiten” interessieren, arrangieren. Der rote Faden des Seminars sollte die Frage nach der Identität von nationalen Minderheiten und Mehrheiten sein.
Viel Geschichtliches

Die Seminartage in Turčianske Teplice waren thematisch in drei Blöcke gegliedert: “Minderheit-Mehrheit: Wissen”, “Minderheit-Mehrheit: Erfahren” und “Information und Vernetzung”. Den Anfang am ersten Seminartag machten die Referentinnen Astrid Domke und Nicole Aurich aus Berlin mit einer theaterpädagogische Einführung in das Thema.

Planspiel als Test

Am zweiten Seminartag drückten die Teilnehmer in Kleingruppenarbeit und Diskussionsforen ihre eigenen Erfahrungen mit dem Verhältnis zwischen Mehrheit und Minderheit aus. In einem Planspiel wurden danach verschiedene Verhältnisse zwischen Minderheiten und einer Mehrheit eines erfundenen Staates in einer ebenso erfundenen Situation simuliert.
Medienworkshops
Weitere Programmpunkte des Seminars waren Länderpräsentationen der Teilnehmer, ein Ausflug in die Umgebung und ein gemeinsames Grillen. Mit einem Vortrag von Ewa Musiałowska aus Dresden zu Medien in Mittel- und Osteuropa sowie Medienworkshops für Zeitung, Radio und Internet ging das zweite Mittel-Ost-Europa-Seminar zur „Identität“ zu Ende. Eine Neuauflage im nächsten Jahr ist geplant – das Seminar wird dann voraussichtlich in Rumänien stattfinden.
Nicoleta Ungureanu
Umfrage:
Wie fandest du das Seminar, und was hat es dir gebracht?
Robert Bajner, Slowakei:
Das Seminar war sehr interessant. Besonders die Länderpräsentationen haben mir gefallen, die waren so ’live’. Den Radio-Workshop fand ich auch sehr interessant und nützlich. Ich habe neue Leute kennengelernt und nehme gute Laune und viele Erfahrungen mit nach Hause.
Karina Respondek, Polen:
Das Seminar war sehr gut organisiert. Ich finde es schwer, Teilnehmer aus verschiedenen Ländern einzuladen, doch den Organisatoren ist es gelungen, und alles war gut geplant. Die Vorträge haben viele Informationen geliefert, auch wenn ich manchmal anderer Meinung war. Ich interessiere mich für das Thema Identität. Hier habe ich kennengelernt, was Identität in verschiedenen Länder bedeutet, und habe persönlichen Kontakt mit anderen Leuten aus einer Minderheit geknüpft.
Jan Čapek, Tschechien:
Das Seminar hatte alle Merkmale einer Jugendkonferenz: Positiv war die lockere Atmosphäre und die Freundlichkeit, negativ die häufige Unpünktlichkeit. Die Balance zwischen Fachvorträgen und eigenen Beiträgen war ziemlich gut. Das Planspiel fand ich besonders gut, ich habe authentische Informationen über Minderheiten und andere Länder bekommen.
Timea Poszet, Rumänien:
Ich fand das Seminar okay, hatte aber etwas andere Erwartungen gehabt. Trotzdem nehme ich interessante Erfahrungen mit nach Hause. Es gab einige Schwachpunkte, die hoffentlich beim nächsten Seminar beseitigt werden.
Interview mit Andreas Collin, ifa-Kulturassistent in Schneidemühl(Polen) und einer der Organisatoren
Wie seid ihr auf die Idee gekommen, dieses Seminar zu veranstalten?
A.C.: Ich habe in Polen erlebt, dass viele Angehörige der deutschen Minderheit nach Deutschland schauen, aber nichts über andere deutsche Minderheiten in Mittel-Ost-Europa wissen. Ich glaube, dass es eine Zusammenarbeit zwischen den deutschen Minderheiten in Mittel-Ost-Europa geben sollte, weil alle dieselben Probleme haben und voneinander profitieren und lernen können.
Was war Ziel des Seminars?
A.C.: Möglichst junge Angehörigen der deutschen Minderheiten sollten sich kennenlernen, Kontakte knüpfen und vielleicht auf die Idee kommen, auch selbstständig etwas zu organisieren.
Warum habt ihr die Slowakei als Ort gewählt?
A.C.: Das Seminar ist als Wanderseminar gedacht. Weil letztes Jahr niemand etwas zur Slowakei sagen konnte, haben wir gesagt, wir machen es jetzt in der Slowakei.
Plant ihr, das Seminar fortzusetzen?
A.C.: Ja, das nächste wird in Rumänien sein. Ich selbst nehme aber an der Organisation nicht mehr teil. Das Seminar wird dann von den ifa-Kulturassistenten in Rumänien und Tschechien organisiert. Wir haben an einen Projektworkshop gedacht: Die Teilnehmer sammeln Ideen und überlegen zusammen, wie sie Projekte machen können.
Marta Schilling
